Sie benutzen einen alten Browser.
Bitte updaten Sie Ihren Browser damit Sie diese Seite so sehen, wie wir das geplant haben …

Atmen, das nirgendwohin führt?

Ich liege auf der Matte. Loil sitzt daneben. Ich atme durch den Mund kräftig ein und aus. Obwohl ich weiter kräftig atme, fühle ich eine immer grösser werdende Schwäche in meinem Körper sich ausbreiten. Hör auf mit dem Scheissatmen! sagt eine Stimme in mir. Wozu atmen? Wozu dieses verdammte, anstrengende Atmen, das nirgendwohin führt? Diese sinnlose Anstrengung – hör auf damit! Dann taucht Angst auf, mir wird flau in der Zwerchfellgegend. Ich liege hier in der Gruppe auf der Matte, ich sollte atmen, Loil hat mich dazu aufgefordert, ich bin in der Skan-Ausbildung, ich darf nicht versagen, ich MUSS atmen, ich MUSS ETWAS TUN! Doch die Weigerung zu atmen breitet sich weiter in meinem Körper aus. Ohne mein bewusstes Zutun stoppt das kräftige Ein- und Ausatmen. Mein Brustkorb, mein Bauch bewegen sich kaum noch, mein Atmen reduziert sich auf ein kaum noch wahrnehmbares Einundaus. Die Angst, nicht RICHTIG zu sein, steigt in diesem Atem-Nichts stetig an. Schliesslich halte ich die mit der Angst verbundene Spannung nicht mehr aus. Ich frage Loil, der mich zu Beginn der Sitzung nur kurz an der Brust berührt hat: Langweile ich dich nicht? Die Frage kommt aus dem Off, ich bin selber überrascht über meine Worte. Nein, sagt er, du langweilst mich nicht. Ich schaue Loil in die Augen. Obwohl etwas in mir Loils Antwort nicht glauben will, seine Augen überzeugen mich. Und die andern? frage ich. Wer langweilt sich hier mit Markus? fragt Loil in die Runde. Ich höre ein paar Stimmen, die verneinen.

Und jetzt? Ich überlege, ob das alles ehrlich gemeint ist. Da berührt Loil mich nochmals sacht an der Brust. Und jetzt wird auf einmal alles ganz still in mir, keine Gedanken mehr, keine Angst. Ich fühle unter meiner Haut ein ganz kleines, winzig kleines Vibrieren, an der Brust beginnt es und breitet sich über den ganzen Körper aus. Das Vibrieren wird stärker, geht von der Hautoberfläche in die Tiefe meines Körpers. Damit verbunden steigt eine Freude in mir auf, eine einfache, durch nichts eingetrübte Freude, mich so zu spüren. Mit meiner Freude zutiefst verbunden, spüre ich Loil gegenüber eine grosse Dankbarkeit. Ich gebe ihm meine Hand, meine bis ins Innerste belebte Hand. Als unsere Hände sich berühren, entsteht ein Kontakt, der in Worten nicht beschreibbar ist. Ich atme entspannt in meinem Rhythmus.

Mattenarbeiten

Sofort beginnt ein Kampf. Er bemüht sich, meine Vorgabe zu erfüllen und die Augen zu öffnen. Vor Anstrengung grimassiert er dabei. Er kann die Augen jeweils kurz aufreissen, dann drückt, ja presst eine Gegenkraft sie wieder zu.

M.B.
Gesamten Bericht lesen

Hör auf mit dem Scheissatmen! sagt eine Stimme in mir. Wozu atmen? Wozu dieses verdammte, anstrengende Atmen, das nirgendwohin führt? Diese sinnlose Anstrengung – hör auf damit!

M.B.
Gesamten Bericht lesen

Ich lasse R. verstärkt atmen, was er ohne sichtbare Anstrengung tut. Nach kurzer Zeit fängt sein Becken an, sachte zu wippen. Seine Füsse werden unruhig, er fängt an, mit den Fusssohlen auf der Matte zu reiben.

M.B.
Gesamten Bericht lesen

Ich fühle ihr Sterben: Nur wenige Atemzüge noch, ganz ohne Anstrengung. Ein langsames, sachtes Weggleiten. Ruhe breitet sich in mir aus. Keine Angst. Keine Verzweiflung.

M.B.
Gesamten Bericht lesen